Deutsches Wörterbuch
von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
Neubearbeitung
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Quellengrundlage, Belegarchiv, Bibliothek

Die empirische Grundlage der Neubearbeitung bildet ein Wortarchiv mit der zur Zeit umfassendsten Sammlung von historischen Belegen, d. h. aus literarischen Quellen herausgezogenen Textzitaten. Das Belegarchiv der Berliner Arbeitsstelle enthält für das gesamte Alphabet von A bis Z mehr als 4 Millionen Belegzettel, davon etwa 3 Millionen für die Alphabetstrecke A bis C. Mit dem Göttinger Archiv für die Strecke D bis F kommen noch einmal etwa 2,4 Millionen Belegzettel hinzu. Die Brüder Grimm konnten sich dagegen anfangs nur auf etwa 600.000 Belege von A bis Z stützen.

Weisen die Quellenverzeichnisse in den Bänden 1 bis 3 der Erstbearbeitung etwa 1600 Titel nach, so wurden für die neue Berliner Belegsammlung über 4000 Quellen vor allem des 15. bis 20. Jahrhunderts systematisch exzerpiert. Sie decken ein breites Spektrum von Textsorten ab, zu dem neben Belletristik auch chronikalische Texte, Rechtstexte, Flugschriften, Zeitungen, Briefe und Tagebücher, Sach- und Fachliteratur gehören. Zusammen mit den gelegentlich herangezogenen Texten umfaßt die Liste der zitierten Quellen insgesamt mehr als 10.000 Einträge. Neben dem Zettelarchiv werden seit jüngerer Zeit auch maschinenlesbare Textkorpora auf CD-ROM oder in Online-Datenbanken für ergänzende Wortrecherchen genutzt.
Die meisten der exzerpierten Quellen stehen in der Bibliothek der Arbeitsstelle für Überprüfungen am Originaltext zur Verfügung. Die Bibliothek mit etwa 14.000 Bänden enthält außerdem eine große Sammlung von Wörterbüchern vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie einen umfangreichen Handapparat zum Arbeitsgebiet.

Straffungsmaßnahmen, Erscheinungsweise und
Publikationsstand

Auch als eine Folge des reichen Archivmaterials und der angestrebten wissenschaftlichen Vollständigkeit blieb der Arbeitsfortschritt der Neubearbeitung zunächst hinter den Erwartungen zurück. Zur Verkürzung der Bearbeitungsdauer wurde in der Göttinger Arbeitsstelle bereits seit 1986 ein Plan zur Reformierung, Straffung und Beschleunigung der Wörterbucharbeit entwickelt und seit 1992 umgesetzt. Er sieht für den Göttinger Anteil D bis F einen Abschluß der Arbeiten bis 2006 vor.

Die Berliner Arbeitsstelle wurde besonders nach dem Tod ihres Akademischen Leiters Theodor Frings 1968 vom DDR-Wissenschaftsapparat unter anderem dadurch behindert, daß man Wörterbuchmitarbeiter für andere Projekte abzog. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten entwarf die Berliner Arbeitsstelle Anfang der 90er Jahre ein vergleichbares Straffungskonzept. Es umfaßt Maßnahmen zur effizienteren Arbeitsorganisation, zur Begrenzung von Zusatzrecherchen, zu einer vertretbaren Reduzierung der aufzunehmenden Stichwörter sowie zu einer konzentrierteren Darstellung ihrer Geschichte und Bezeugung in den Artikeln. Gleichzeitig soll es die wissenschaftliche Verläßlichkeit und den lexikographischen Informationsgehalt gewährleisten. Zu den Modernisierungsmaßnahmen gehört auch der umfassende Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung bis hin zum Satz für den Druck. Dank dieser Beschleunigungsmaßnahmen konnte die Berliner Arbeitsstelle die Lieferungsfolge verdoppeln und die Menge des jährlich verarbeiteten Materials und damit das Arbeitstempo mehr als vervierfachen.

Nach derzeitigen Planungen wird der Neubearbeitungsabschnitt A bis F voraussichtlich 9 Bände mit 76 Lieferungen umfassen, davon 39 Berliner Lieferungen in fünf Bänden von A bis C und 37 Göttinger Lieferungen von D bis F in vier Bänden. Auch nach den Straffungsmaßnahmen wird er gegenüber der Erstausgabe noch mehr als den zweieinhalbfachen Umfang haben.

Die Neubearbeitung des Deutschen Wörterbuches erscheint seit 1965 in Einzellieferungen beim S. Hirzel Verlag¹. Die Berliner und ebenso die Göttinger Arbeitsstelle erarbeitet zur Zeit jährlich eine Lieferung von jeweils 160 Druckspalten. Insgesamt liegen schon mehr als zwei Drittel des geplanten Neubearbeitungsabschnittes A bis F fertig zur Benutzung vor.

Perspektiven der Neubearbeitung

Mit der Beschleunigung der Arbeit kommt ein Abschluß auch des Berliner Anteils in Sicht. Für die im Jahr 2006, dem derzeit gültigen Laufzeitende, noch ausstehenden 12 Berliner Lieferungen von B und C ist allerdings eine Verlängerung des Vorhabens nötig. Darüber hinaus wäre mittlerweile eine Überarbeitung und Aktualisierung auch der folgenden Buchstaben der Erstbearbeitung erforderlich.

Die Berliner Lieferungen der Neubearbeitung liegen seit 1993 in digitaler Form vor, und eine Digitalisierung auch der älteren Lieferungen ist beabsichtigt. Damit wäre eine Voraussetzung dafür geschaffen, das Werk zur Online-Recherche im Internet bereitzustellen und mit anderen digitalen "Wörterbüchern" oder lexikalischen Informationssystemen zu vernetzen, z. B. auch mit der Erstbearbeitung des Deutschen Wörterbuchs². Überdies wird demnächst eine digitale Verfilmung des Berliner Zettelarchivs das Berliner Belegmaterial sichern. Verknüpft mit elektronischen Stichwortlisten, könnte dieses digitale Belegarchiv über das Internet zugänglich gemacht werden und so Einschränkungen kompensieren, die das Druckmedium und das Straffungskonzept in der Wörterbuchdarstellung fordern.


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Die Kästen des Archivs bergen
mehr als 4 Mio. Belegzettel


Etwa 14.000 Bände gehören zur
Handbibliothek des DWB


Theodor Frings, Akademischer Leiter
des DWB von 1946 bis 1968


Publikationsstand der Neubearbeitung


Titelblatt der 5. Lieferung
des 3. Bandes

1Hirzel Verlag, Stuttgart: www.Hirzel.de.
2Informationen und Zugang: www.dwb.uni-trier.de.
"Wörterbuch-Portal": www.woerterbuch-portal.de.



Die Neubearbeitung